Viele Unternehmen nutzen KI längst im Alltag: Eine Mitarbeiterin fasst Protokolle mit ChatGPT zusammen, ein Entwickler arbeitet mit Claude oder GitHub Copilot, im Vertrieb entstehen Angebote mit Gemini. Die Frage, die dabei selten gestellt wird: Mit welchem Abo passiert das eigentlich – und gibt es dafür einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
Die kurze Antwort: Einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) bieten die großen Anbieter nicht erst in den Enterprise-Tarifen, sondern schon ab den Team- bzw. Business-Stufen und für ihre Programmierschnittstellen. Die privaten Abos, die wir hier verglichen haben, sehen dagegen keinen AVV vor – auch die teuren nicht. Wer Firmendaten mit ChatGPT Plus, Claude Max oder Google AI Pro verarbeitet, hat in aller Regel keinen AVV.
Dieser Artikel ordnet die Abos der wichtigsten Anbieter ein: OpenAI, Anthropic, Microsoft, GitHub, Google und Mistral. Stand ist September 2026. Die Anbieter ändern ihre Bedingungen regelmäßig, deshalb sind alle Aussagen mit der jeweiligen Originalquelle verlinkt. Das ist eine technische Einordnung, keine Rechtsberatung – die abschließende Bewertung gehört zu Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Warum der AVV so wichtig ist
Verarbeitet ein KI-Anbieter personenbezogene Daten als Auftragsverarbeiter im Auftrag Ihres Unternehmens – Namen in einem Protokoll, Kundendaten in einer E-Mail, Bewerbungen, Verträge –, verlangt die DSGVO grundsätzlich einen Vertrag nach Art. 28, der regelt, was der Anbieter mit den Daten tun darf und was nicht. Ob ein Anbieter tatsächlich Auftragsverarbeiter ist, hängt allerdings vom Zweck der Verarbeitung ab: Je nach Konstellation kann er auch selbst Verantwortlicher sein oder für einzelne Zwecke beides.
Bei den hier verglichenen privaten Abos ist dieser Vertrag nicht vorgesehen. Dort gelten Verbraucherbedingungen, und der Anbieter ist für die Daten in der Regel selbst verantwortlich – mit eigenen Regeln zur Nutzung, zum Training und zur Aufbewahrung. Für Firmendaten ist das die falsche Grundlage.
Zwei Dinge sollte man trotzdem im Blick behalten: Ein AVV allein macht den Einsatz nicht automatisch DSGVO-konform – es braucht weiterhin eine Rechtsgrundlage, technische und organisatorische Maßnahmen und oft ein Rechtekonzept. Und ein AVV bedeutet nicht immer, dass nicht mit den Daten trainiert wird. Dazu gleich mehr.
Die Übersicht
| Anbieter | Ohne AVV (private Abos) | Mit AVV | Mindestanzahl Plätze | Training mit Ihren Daten | Speicherung in der EU |
|---|---|---|---|---|---|
| OpenAI ChatGPT | Free, Go, Plus, Pro | Business (früher Team), Enterprise, API | Business: 2 | privat: ja, abschaltbar · geschäftlich: nein | nur Enterprise und API (für berechtigte Kunden) |
| Anthropic Claude | Free, Pro, Max | Team, Enterprise, API | Team: 2 · Enterprise: 20 | privat: ja, sofern nicht abgeschaltet · geschäftlich: nein | Claude-Apps: Speicherung in den USA · EU nur über Amazon Bedrock oder Google Cloud |
| Microsoft Copilot | Copilot mit privatem Microsoft-Konto, Microsoft 365 Personal/Family | Copilot Chat mit Arbeitskonto, Microsoft-Copilot-Lizenz, Azure OpenAI | keine dokumentiert · Copilot Business: bis 300 | privat: möglich, abschaltbar · geschäftlich: nein | ja, EU-Datengrenze (Ausnahme: Websuche über Bing) |
| GitHub Copilot | Free, Student, Pro, Pro+, Max | Business, Enterprise | keine dokumentiert | privat: ja seit 24.04.2026, abschaltbar · geschäftlich: nein | nur mit GitHub Enterprise Cloud mit Datenresidenz |
| Google Gemini | Gemini-App mit privatem Konto, Google AI Pro/Ultra | Gemini in Google Workspace, Vertex AI | Workspace-Edition nötig | privat: möglich bei aktivierter Aktivitätsspeicherung · Workspace: nein | Datenregionen in bestimmten Workspace-Editionen |
| Mistral | Vibe (früher Le Chat) als Verbraucher | Team, Enterprise, API (nur Geschäftskunden) | – | Team: ja, standardmäßig, abschaltbar · Enterprise: nein | ja, standardmäßig in der EU |
Die Anbieter im Detail
OpenAI (ChatGPT)
„ChatGPT Team" heißt seit dem 29. August 2025 ChatGPT Business. Für Business, Enterprise und die API schließt OpenAI einen AVV ab. Er ist Teil des Services Agreement, das ausdrücklich nicht für Verbraucherdienste gilt. Vertragspartner für Kunden im EWR ist OpenAI Ireland Ltd. Ein Business-Workspace braucht mindestens zwei bezahlte Plätze.
Standardmäßig trainiert OpenAI nicht mit Daten aus Business, Enterprise, Edu und der API. Bei den privaten Diensten kann OpenAI die Inhalte dagegen zum Training nutzen, das lässt sich in den Einstellungen abschalten. Die Speicherung in Europa gibt es nur für neue Enterprise- und Edu-Kunden sowie für berechtigte API-Kunden, nicht für ChatGPT Business. Gemeint ist dabei zunächst die Speicherung der Daten. Dass auch die Modellberechnung selbst in Europa läuft (Inference Residency), ist eine zusätzliche Option, die OpenAI nur berechtigten Enterprise- und Edu-Kunden mit aktivierter Datenresidenz anbietet.
Anthropic (Claude)
Für Team, Enterprise und die API gelten die Commercial Terms, in die der AVV per Verweis einbezogen ist. Ein separater Abschluss ist nicht nötig, und Anthropic darf mit diesen Inhalten nicht trainieren. Team braucht mindestens zwei Mitglieder (bis 150), Enterprise mindestens 20 Plätze. Claude Code ist in jedem Team-Platz enthalten.
Für Free, Pro und Max gelten seit Oktober 2025 geänderte Verbraucherbedingungen: Anthropic nutzt die Inhalte zum Training, sofern man das nicht in den Kontoeinstellungen abschaltet – das gilt auch für Claude Code mit einem privaten Konto.
Wichtig für die EU: Nach Anthropics eigener Auskunft werden Daten aus den Claude-Anwendungen in den USA gespeichert. Wer Claude-Modelle mit Verarbeitung in Europa nutzen will, kann das über Amazon Bedrock (z. B. Region Frankfurt) oder Google Cloud mit EU-Endpunkt tun. Dort ist der jeweilige Cloud-Anbieter der Auftragsverarbeiter.
Microsoft Copilot
Für Unternehmen, die ohnehin mit Microsoft 365 arbeiten, ist Copilot oft der naheliegendste Weg. Copilot Chat ist mit einem Arbeitskonto (Entra ID) und passender Microsoft-365-Lizenz ohne Aufpreis nutzbar – mit „Enterprise Data Protection": Es gilt Microsofts Datenschutz-Addendum (DPA), Microsoft handelt als Auftragsverarbeiter, und die Daten fallen unter die EU-Datengrenze. Copilot Chat greift allerdings nicht auf Ihre Dateien, E-Mails und Chats zu. Das kann erst die kostenpflichtige Lizenz, die Microsoft inzwischen „Microsoft Copilot" nennt (früher Microsoft 365 Copilot).
Diese Lizenz arbeitet mit den Berechtigungen, die in Ihrem Microsoft 365 bereits bestehen: Copilot zeigt nur Inhalte, auf die der jeweilige Nutzer mindestens Lesezugriff hat. Prompts, Antworten und die abgerufenen Daten werden nicht zum Training der Modelle genutzt.
Zwei Punkte gehören aber in jede Einführung:
- Die Websuche über Bing läuft außerhalb des AVV. Für die Suchanfragen, die Copilot an Bing schickt, ist Microsoft selbst verantwortlich, und die EU-Datengrenze gilt dafür nicht. Die Websuche ist standardmäßig aktiv und lässt sich per Richtlinie abschalten.
- Zu weit gefasste Freigaben werden sichtbar. SharePoint ist standardmäßig auf die offenste Freigabeeinstellung gesetzt. Was über Jahre „für alle im Unternehmen" freigegeben wurde, findet Copilot in Sekunden – auch die Gehaltsliste im falschen Ordner. Microsoft empfiehlt deshalb ausdrücklich, vor der Einführung die Freigaben zu prüfen und aufzuräumen.
Die Variante Copilot Business ist für kleinere Unternehmen gedacht und auf 300 Plätze pro Mandant begrenzt. Der Copilot mit privatem Microsoft-Konto ist dagegen ein Verbraucherdienst ohne AVV.
GitHub Copilot
Business und Enterprise laufen unter der GitHub-Datenschutzvereinbarung, die Teil des Kundenvertrags ist, und GitHub nutzt die Ein- und Ausgaben nicht zum Training. Bei den privaten Stufen hat sich 2026 etwas geändert: Seit dem 24. April 2026 nutzt GitHub Interaktionsdaten aus Copilot Free, Pro und Pro+ standardmäßig zum Training, sofern man nicht widerspricht. Das betrifft auch Code aus privaten Repositories, sobald Copilot ihn bei der Arbeit verarbeitet. Wer mit einem privaten Konto an Kundenprojekten arbeitet, sollte das kennen. Ausgenommen sind laut GitHub Copilot Business, Copilot Enterprise und Repositories, die einem Enterprise-Konto gehören.
Eine Verarbeitung in der EU gibt es nur mit GitHub Enterprise Cloud mit Datenresidenz.
Google Gemini – und die Kombination mit Google Drive
Für Gemini in Google Workspace gilt Googles Cloud Data Processing Addendum. Falls Ihr Workspace-Vertrag es noch nicht einbezieht, nehmen Sie es in der Admin-Konsole an. Inhalte werden nicht zum Training genutzt und nicht von Menschen geprüft, und Gemini zeigt nur Dokumente, auf die der Nutzer Zugriff hat. Die direkte Gemini-Seitenleiste in Drive und Docs gibt es allerdings nicht in jeder Edition, Business Starter hat sie nicht.
Der typische Fallstrick liegt woanders: Viele kleine Unternehmen arbeiten mit einem privaten Google-Konto und legen dort auch Firmendokumente in Drive ab. Dann fehlen AVV, Admin-Kontrollen und Datenregionen, und in der Gemini-App gelten die Verbraucherregeln – dort kann Google die Aktivität, einschließlich einer Prüfung durch Menschen, zur Verbesserung der Dienste nutzen, wenn die Aktivitätsspeicherung eingeschaltet ist.
Ein Detail für Workspace-Kunden: In Gemini Notebook (früher NotebookLM) gelten die Freigabe- und Datenregionen-Einstellungen Ihrer Organisation laut Google nicht.
Mistral
Der europäische Anbieter Mistral hat seinen Chat umbenannt: Aus „Le Chat" wurde Vibe. Die Daten liegen standardmäßig in der EU. Einen AVV gibt es für Geschäftskunden (Team, Enterprise, API), für Verbraucher nicht.
Mistral ist zugleich das Beispiel dafür, dass ein AVV nicht automatisch „kein Training" bedeutet: Laut Mistrals AVV darf Mistral die Daten zum Training nutzen, solange der Kunde dem nicht widersprochen hat. Bei Team ist das Training standardmäßig aktiv und muss von der Administration abgeschaltet werden, bei Enterprise ist es standardmäßig aus. Wer zusätzlich die Mistral-API nutzt, muss die Trainingseinstellung dort gesondert prüfen: Die Opt-out-Schalter für Vibe und für die API sind laut Mistral voneinander unabhängig.
Die drei häufigsten Fallstricke
- Das private Abo für Firmendaten. Auch ein teures Einzelabo hat keinen AVV. Das betrifft ChatGPT Plus und Pro, Claude Pro und Max, Google AI Pro und Ultra und die privaten Copilot-Varianten gleichermaßen.
- Datenflüsse neben dem Hauptdienst. Die Websuche bei Microsoft Copilot läuft außerhalb des AVV, Claude-Anwendungen speichern in den USA, ChatGPT Business speichert nicht in der EU. Wer nur auf das Abo schaut, übersieht diese Wege.
- Training trotz Geschäftskonto – oder durch geänderte Voreinstellungen. Bei Mistral Team muss man das Training aktiv abschalten. Und bei privaten Konten haben mehrere Anbieter die Voreinstellungen geändert, etwa GitHub im April 2026 und Anthropic im Oktober 2025.
Und wenn die Daten das Haus gar nicht verlassen sollen?
Für besonders sensible Dokumente – Verträge, Personalunterlagen, Konstruktionsdaten – ist auch der beste AVV nur die zweitbeste Lösung. Die beste ist, dass die Daten Ihr Netz gar nicht erst verlassen. Wie das mit einem lokal betriebenen Sprachmodell geht und wann es sich lohnt, beschreiben wir unter Lokale KI für Unternehmen und im Ratgeber Lokale Sprachmodelle im Unternehmen: welche Hardware reicht?.
In der Praxis ist die Antwort meist ein Mix: Microsoft Copilot für die tägliche Arbeit in Microsoft 365, ein Geschäftsabo mit AVV für Programmieraufgaben und eine lokale Lösung für die sensibelsten Daten.
Checkliste für Entscheider
- Bestandsaufnahme: Welche KI-Dienste nutzen Ihre Mitarbeitenden tatsächlich – und mit welchen Konten?
- Geschäftskonto statt Privatabo: Für Firmendaten nur Stufen mit AVV einsetzen, also mindestens Team bzw. Business.
- Einstellungen prüfen: Training, Websuche und Aufbewahrung zentral festlegen, statt es den Einzelnen zu überlassen.
- Speicherort klären: Wo werden die Daten gespeichert, und wo werden sie verarbeitet?
- Freigaben aufräumen: Bevor eine KI Ihre Dokumente durchsucht, sollten die Zugriffsrechte stimmen.
- Datenschutzbeauftragte einbinden: Den Einsatz dokumentieren, im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten erfassen und prüfen, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig ist.
Als Microsoft-Partner begleiten wir die Einführung von Copilot inklusive Lizenzen und Aufräumen der Freigaben – mehr dazu unter IT-Planung und Einkauf. Wenn KI in Ihre eigene Software einziehen soll, finden Sie unser Angebot unter KI-Entwicklung mit .NET. Oder sprechen Sie uns direkt an.
Quellen (Stand September 2026, ergänzt Oktober 2026):
Recht: EUR-Lex – Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Art. 4 und 28
OpenAI: Enterprise Privacy · Services Agreement · Data Processing Addendum · ChatGPT Business FAQ · Datennutzung für das Training · Daten- und Inference-Residency in ChatGPT
Anthropic: Commercial Terms · Consumer Terms · Änderung der Verbraucherbedingungen 2025 · Team-Plan · Enterprise-Plätze · Speicherort der Daten · Claude in Amazon Bedrock · Claude auf Google Cloud
Microsoft: Enterprise Data Protection · Datenschutz in Microsoft Copilot · Copilot Chat: Datenschutz · Websuche in Copilot · Copilot Business FAQ · SharePoint auf Copilot vorbereiten · Verbraucher-Copilot: Datenschutz-FAQ
GitHub: Änderung der Trainingsregeln 2026 · GitHub-Datenschutzvereinbarung · Generative AI Services Terms · Copilot mit Datenresidenz
Google: Datenschutz für generative KI in Workspace · Cloud Data Processing Addendum · Gemini-App: Datenschutzhinweise · Gemini in Drive (privat)
Mistral: Data Processing Addendum · Speicherort der Daten · Opt-out vom Training (Vibe und API) · Le Chat heißt jetzt Vibe