Zwei Arten, Arbeit an KI-Agenten zu verteilen
Wer mit Claude Code arbeitet, kennt Subagents: Hilfsagenten, die eine abgegrenzte Aufgabe übernehmen und das Ergebnis an die Hauptsitzung zurückgeben. Seit Anfang 2026 gibt es mit Agent Teams eine zweite Form der Arbeitsteilung. Statt Helfern, die nur dem Auftraggeber berichten, arbeiten hier Teammates nebeneinander, teilen sich eine Aufgabenliste und sprechen direkt miteinander.
Die Frage „Teammate oder Subagent?" klingt nach einem Entweder-oder. In der Praxis ist sie das nicht. In diesem Beitrag ordnen wir ein, worin sich beide unterscheiden, wann sich ein Team lohnt, was es kostet und worauf Unternehmen bei Rechten und Sicherheit achten sollten. Wer zuerst die Grundfrage klären möchte, wann ein Agent und wann ein Skill die richtige Architektur ist, findet das in unserem Beitrag KI-Agenten vs. Skills.
Der Unterschied in einem Satz
Ein Subagent liefert ab, ein Teammate arbeitet mit.
| Subagent | Teammate | |
|---|---|---|
| Kontext | eigenes Kontextfenster, Ergebnis geht an den Auftraggeber zurück | eigenes Kontextfenster, vollständig eigenständige Sitzung |
| Kommunikation | berichtet an den Auftraggeber | schreibt anderen Teammates direkt |
| Koordination | die Hauptsitzung steuert alles | gemeinsame Aufgabenliste, Abstimmung untereinander |
| Ansprechbar | über die Hauptsitzung | jeder Teammate auch direkt durch Sie |
| Kosten | niedriger, nur das Ergebnis fließt zurück | höher, jeder Teammate ist eine eigene Claude-Instanz |
flowchart TD
subgraph SUB["Subagents: Ergebnisse gehen an den Auftraggeber"]
H[Hauptsitzung] --> S1[Subagent]
H --> S2[Subagent]
S1 -->|Ergebnis| H
S2 -->|Ergebnis| H
end
subgraph TEAM["Agent Team: Teammates stimmen sich direkt ab"]
L[Team Lead] --- T1[Teammate]
L --- T2[Teammate]
T1 ---|Nachrichten| T2
T1 --- AL[("gemeinsame Aufgabenliste")]
T2 --- AL
end
Ein Team besteht aus einem Team Lead – der Sitzung, in der Sie arbeiten –, den Teammates, einer gemeinsamen Aufgabenliste und einem Postfach für Nachrichten zwischen den Agenten. Teammates können sich Aufgaben selbst nehmen, sobald sie frei sind. Aufgaben mit Abhängigkeiten werden erst freigegeben, wenn die vorherigen erledigt sind.
Kein Entweder-oder: Teammates mit eigenen Subagents
Der wichtigste Punkt für die Architektur: Beide Formen schließen sich nicht aus. Jeder Teammate ist eine vollständige Claude-Code-Sitzung und kann für Detailarbeit wieder eigene Subagents einsetzen. Das Team übernimmt die Abstimmung zwischen den Rollen, die Subagents erledigen darunter die abgegrenzten Teilaufgaben.
Zwei Grenzen gibt es dabei: Teammates können keine eigenen Teams aufmachen, nur der Lead verwaltet das Team. Und die Subagents eines Teammates laufen im Vordergrund, nicht im Hintergrund.
Aus der Praxis: ein Design-System-Agent im Team
Wie das zusammenspielt, zeigt ein Aufbau, den wir selbst nutzen. Ein Design-System-Agent kennt das Design-System – Farben, Abstände, Komponenten, Regeln. Daneben arbeiten Agents, die Oberflächen für verschiedene Zielplattformen umsetzen. Das Ziel: eine konsistente Oberfläche über alle Plattformen hinweg.
Als Subagents könnten diese Agents nur nacheinander Ergebnisse abliefern. Als Teammates passiert etwas anderes: Stößt ein Plattform-Agent auf eine Lücke im Design-System, etwa eine Komponente, die es so noch nicht gibt, oder eine Regel, die auf seiner Plattform nicht funktioniert, dann diskutiert er das direkt mit dem Design-System-Agent und den anderen Plattform-Agents. Gemeinsam erarbeiten sie einen Lösungsvorschlag, und der fließt zurück ins Design-System. So wächst das System an den Stellen, an denen die Praxis es braucht, und die Plattformen bleiben konsistent.
Darunter setzt jeder Teammate für fokussierte Aufgaben wieder Subagents ein. Die Diskussion bleibt im Team, die Fleißarbeit wird delegiert.
Das Beispiel zeigt, wann ein Team seinen Mehrwert ausspielt: wenn mehrere Rollen voneinander lernen müssen, statt nur nebeneinander zu arbeiten.
Wann sich ein Team lohnt – und wann nicht
Subagents passen, wenn eine Aufgabe klar abgegrenzt ist und nur das Ergebnis zählt: Code durchsuchen, Tests für ein Modul schreiben, eine Bibliothek recherchieren.
Ein Team passt, wenn Rollen sich abstimmen müssen. Anthropic nennt vor allem diese Einsatzfelder:
- Recherche und Review: Mehrere Teammates prüfen ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln und hinterfragen gegenseitig ihre Ergebnisse – etwa ein Code-Review mit getrennten Rollen für Sicherheit, Performance und Testabdeckung.
- Fehlersuche mit konkurrierenden Hypothesen: Jeder Teammate verfolgt eine andere Theorie und versucht, die der anderen zu widerlegen. Das wirkt dem typischen Effekt entgegen, dass ein einzelner Agent bei der ersten plausiblen Erklärung stehen bleibt.
- Neue Module: Jeder Teammate übernimmt einen eigenen Teil.
- Änderungen über mehrere Schichten: Frontend, Backend und Tests, jeweils mit eigener Zuständigkeit.
Kein Team sollte man einsetzen bei aufeinander aufbauenden Aufgaben, bei vielen Abhängigkeiten oder wenn mehrere Agents dieselben Dateien bearbeiten müssten. Zwei Teammates in derselben Datei überschreiben sich gegenseitig. Anthropic empfiehlt, mit drei bis fünf Teammates zu beginnen – drei fokussierte Teammates sind oft wirksamer als fünf verstreute.
Was ein Team kostet
Jeder Teammate ist eine eigene Claude-Instanz mit eigenem Kontextfenster. Der Token-Verbrauch steigt deshalb ungefähr proportional zur Teamgröße, und jeder aktive Teammate verbraucht so lange Tokens, bis er beendet wird. Für Recherche, Reviews und neue Funktionen lohnt sich das nach Einschätzung von Anthropic meist, für Routineaufgaben ist eine einzelne Sitzung wirtschaftlicher.
Für Unternehmen heißt das: Teams bewusst einsetzen, klein halten und Teammates beenden, sobald ihre Arbeit erledigt ist. Wie sich KI-Kosten bei Coding-Agenten generell steuern lassen, beschreiben wir am Beispiel GitHub Copilot in Token-Caching: wie Teams AI-Credits sparen.
Rechte und Sicherheit
Bei mehreren Agenten, die eigenständig arbeiten, wird die Frage nach den Rechten wichtiger:
- Teammates übernehmen den Berechtigungsmodus des Leads. Wer die Hauptsitzung ohne Rückfragen startet, gibt das an das ganze Team weiter. Individuelle Rechte pro Teammate lassen sich erst nach dem Start anpassen.
- Freigaben lassen sich nicht weiterreichen. Eine Nachricht von einem anderen Agenten gilt nicht als Zustimmung des Nutzers. Ein Teammate, dem eine Aktion verweigert wurde, kann sie nicht über einen anderen Teammate doch noch ausführen lassen. Im Auto-Modus von Claude Code wird zudem jede Nachricht zwischen den Agenten geprüft, bevor sie zugestellt wird.
- Rückfragen landen beim Lead. Berechtigungsanfragen der Teammates erscheinen in der Hauptsitzung. Das kann bei großen Teams viele Unterbrechungen bedeuten. Häufige, unkritische Aktionen sollte man deshalb vorab freigeben – kritische bewusst nicht.
- Qualitätsregeln per Hook. Mit Hooks lassen sich zudem Regeln erzwingen, an die sich das Team halten muss – zum Beispiel, dass eine Aufgabe erst als erledigt gilt, wenn die Tests grün sind. Claude Code bietet dafür eigene Hooks für Teams, etwa wenn ein Teammate seine Arbeit beenden will oder eine Aufgabe angelegt oder abgeschlossen wird.
Für uns gilt dabei derselbe Grundsatz wie bei einzelnen Agenten: KI-Agenten arbeiten in Entwicklungsumgebungen, nicht auf Produktivsystemen. Warum das so wichtig ist, erklären wir in Warum KI-Agenten im Unternehmen echte Sandboxes brauchen.
Stolpersteine aus der Dokumentation
Agent Teams sind weiterhin experimentell und standardmäßig ausgeschaltet. Aktiviert werden sie über die Umgebungsvariable CLAUDE_CODE_EXPERIMENTAL_AGENT_TEAMS. Ein paar Punkte sollte man vor dem Einsatz kennen:
- Teams, die niemand bestellt hat: Ist das Feature aktiv, startet Claude Subagents, denen es einen Namen gibt, automatisch als Teammates. So können Teams entstehen, ohne dass man ausdrücklich danach gefragt hat – mit entsprechenden Kosten.
- Windows: Die Ansicht mit einem eigenen Fensterbereich pro Teammate setzt tmux oder iTerm2 voraus und funktioniert weder in Windows Terminal noch im integrierten Terminal von VS Code. Der Standardmodus, in dem alle Teammates im Hauptterminal laufen, funktioniert dagegen überall. Wer unter Windows trotzdem jeden Teammate im eigenen Fensterbereich sehen möchte, betreibt Claude Code im Windows-Subsystem für Linux (WSL) – das unterstützt Anthropic offiziell – und installiert dort tmux. Claude Code läuft dann in einer Linux-Umgebung, in der tmux zur Verfügung steht. Die Dokumentation weist allerdings darauf hin, dass tmux je nach Betriebssystem Einschränkungen hat und traditionell unter macOS am besten funktioniert.
- Kein Fortsetzen: Wird eine Sitzung später fortgesetzt, sind die Teammates des Standardmodus nicht mehr da und müssen neu gestartet werden.
- Ein Team pro Sitzung, und der Lead bleibt für die gesamte Sitzung der Lead.
- Aufgabenstatus kann hängen: Teammates markieren Aufgaben nicht immer als erledigt, was abhängige Aufgaben blockiert. Ein Blick auf den Fortschritt lohnt sich, statt das Team lange unbeaufsichtigt laufen zu lassen.
Praxistipp: tmux für lange Sitzungen
tmux ist nicht nur für die geteilte Ansicht interessant. Wir nutzen es auch ganz praktisch: Claude Code läuft bei uns auf einer Workstation im Büro, und gerade längere Sitzungen starten wir in tmux. Der Vorteil: Trennt man sich von einer tmux-Sitzung oder bricht die Verbindung ab, laufen die Programme darin im Hintergrund weiter. Später verbindet man sich einfach wieder – vom Büro, von unterwegs oder aus dem Homeoffice.
Die Grundlagen sind schnell gelernt:
tmux new -s claude # neue Sitzung mit dem Namen „claude“ starten
tmux ls # laufende Sitzungen anzeigen
tmux attach -t claude # wieder mit der Sitzung verbinden
Innerhalb von tmux beginnt jeder Tastenbefehl mit Strg+B. Danach folgt die eigentliche Taste:
| Tasten | Wirkung |
|---|---|
| Strg+B, dann D | Sitzung verlassen – sie läuft im Hintergrund weiter |
| Strg+B, dann % | Bereich teilen: zwei Bereiche nebeneinander |
| Strg+B, dann " | Bereich teilen: zwei Bereiche übereinander |
| Strg+B, dann Pfeiltaste | zwischen den Bereichen wechseln |
| Strg+B, dann X | aktuellen Bereich schließen (mit Rückfrage) |
| Strg+B, dann Alt+2 | alle Bereiche gleichmäßig übereinander anordnen |
Auf einer deutschen Tastatur liegt % auf Umschalt+5 und " auf Umschalt+2. Gerade Alt+2 ist bei Agent Teams praktisch: Mit mehreren Teammates werden die Bereiche schnell unübersichtlich, und ein Tastendruck bringt wieder Ordnung hinein.
Für Agent Teams ist das besonders wertvoll. Weil sich eine fortgesetzte Sitzung nicht mit ihren Teammates wiederherstellen lässt, ist es umso besser, wenn sie gar nicht erst endet: In tmux bleiben Lead und Teammates einfach aktiv, auch wenn die eigene Verbindung zwischendurch weg ist.
tmux ist dabei für Sitzungen über Stunden oder Tage gedacht, nicht als Dauerbetrieb über Wochen. Wer Agenten regelmäßig und unbeaufsichtigt laufen lassen will, startet sie besser per Timer oder Cron-Job ohne Oberfläche (claude -p) – dann allerdings mit Subagents statt Teams, denn im nicht-interaktiven Modus startet Claude Code keine Teammates.
Und bei Codex und GitHub Copilot?
Parallele Subagents gibt es inzwischen bei allen großen Coding-Agenten. Echte Teammates, die direkt miteinander sprechen, bietet nach den offiziellen Dokumentationen bisher nur Claude Code (Stand: Oktober 2026):
- OpenAI Codex kann spezialisierte Subagents parallel starten und deren Zusammenfassungen in einer Antwort zusammenführen. Einzelne Subagents lassen sich direkt lenken oder stoppen. Ein Team-Konzept mit gegenseitigen Nachrichten oder gemeinsamer Aufgabenliste beschreibt die Dokumentation nicht.
- GitHub Copilot setzt ebenfalls auf Subagents: in der IDE über eigene Agents, die an spezialisierte Subagents delegieren, und in der Copilot CLI über den Befehl
/fleet. Dort zerlegt ein Orchestrator die Aufgabe, startet Subagents parallel und arbeitet Abhängigkeiten in Wellen ab. GitHub schreibt dazu ausdrücklich, dass die Subagents nicht direkt miteinander sprechen, sondern nur der Orchestrator koordiniert. Die Copilot-App lässt zudem mehrere Agent-Sitzungen nebeneinander laufen – parallel, aber ohne Zusammenarbeit.
Für .NET-Teams interessant ist Squad, ein Open-Source-Framework auf Basis der Copilot CLI, das sich mit dem Microsoft Agent Framework in eigene .NET-Anwendungen einbinden lässt. Ein Koordinator verteilt die Arbeit an Spezialisten, die ihre Ergebnisse miteinander diskutieren dürfen. Das kommt der Idee eines Teams nahe, die Abstimmung läuft aber weiterhin über den Koordinator. Squad ist ein Community-Projekt, das NuGet-Paket ist derzeit eine Vorabversion.
Die Entwicklung ist schnell: Was heute nur ein Werkzeug kann, ist in ein paar Monaten oft Standard. Für die Architektur ist deshalb weniger das Werkzeug entscheidend als die Frage, ob Ihre Agenten nur abliefern oder miteinander arbeiten sollen.
Fazit
Subagents und Teammates sind keine Konkurrenten, sondern zwei Ebenen derselben Arbeitsteilung. Subagents sind die schlanke Standardlösung für abgegrenzte Aufgaben. Ein Team lohnt sich, wenn Rollen voneinander lernen sollen – wie beim Design-System, das durch die Diskussion der Plattform-Agents besser wird. Wer Teams einsetzt, sollte Kosten und Rechte von Anfang an mitdenken.
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Quellen: Claude Code Docs – Agent Teams · Claude Code Docs – Subagents · Claude Code Docs – Kosten verwalten · Claude Code Docs – Installation (inkl. WSL) · tmux Wiki – Getting Started · OpenAI – Codex Subagents · GitHub Blog – /fleet in der Copilot CLI · VS Code Docs – Subagents · Microsoft Agent Framework Blog – Agent Teams mit Copilot CLI und Squad